Das traurige Schicksal eines einstmals stolzen Collie-Rüden

Ein Anruf vom Tierschutz Lünen, ob Collie in Not e.V. einen 11jährigen Collie-Rüden aufnehmen könnte. Sein Besitzer hatte die Tierschützer angerufen, sie sollten den Hund zum Einschläfern abholen. Der Hund war wohl seit ca. 1 Jahr nur noch sporadisch mit Küchenabfällen gefüttert und getränkt worden, sodass er gerade noch am Leben blieb.  Die Lünener nahmen sich des Collies an, und es bot sich ihnen ein Bild des Grauens:

Sie fanden einen total entkräfteten Hund vor, der nicht mehr in der Lage war aufzustehen, mit aufgedunsenem Bauch  und hochgezogenem Rücken. Sein Fell war eine einzige Filzplatte und schwarz von Flöhen und Flohkot. Beim Tierarzt wurde Vegas von den Parasiten befreit, und beim Wegschneiden des Fells kamen rund um den After eiternde, stinkende, aufgebrochene Fisteln zum Vorschein, so groß, dass man mühelos den Daumen  hätte  hineinstecken  können.

Der Besitzer war äußerst erbost, dass der Hund nicht eingeschläfert worden war und ließ die tägliche Pflege und Versorgung durch die Tierschützer nur widerwillig zu. Er weigerte sich, selber mit Vegas zum Tierarzt zu gehen und auch seine offenen Wunden am After zu versorgen, das medizinische Bad in der Badewanne wurde nicht erlaubt, nur im Garten durfte Vegas gewaschen werden.
VEGAS
Als wir Vegas abgeholt haben, konnte er mit etwas Unterstützung wieder aufstehen und langsam gehen. Wir pflegten und päppelten Vegas mit selbstgekochtem Futter auf. Er wurde unserem Tierarzt vorgestellt, und nun konnte nach einer Blut- und Kotuntersuchung mit der dringend notwendigen Weiterbehandlung begonnen werden. Vegas erholte sich langsam und machte von Tag zu Tag Fortschritte. Die kleinen Spaziergänge im Wald und auf den Wiesen ließen ihn förmlich aufblühen. Er nahm wieder am Leben teil. Schnuppern hier und da, Interesse an netten Hundedamen, freudiges, wenn auch leises Bellen, Schwanzwedeln, genüßliches Grunzen beim Ohrenkraulen und Pföteln, damit man ja nicht mit dem Streicheln und Kraulen aufhörte. Die Hoffnung war groß, dass Vegas es schafft und noch viele gute Wochen und Monate, vielleicht sogar auch Jahre vor ihm lagen.

Doch dann kam der große Einbruch. Wieder totale Schwäche, Zittern, Futterverweigerung, verschlechterte Blutwerte. Doch das allerschlimmste, wo waren die leuchtenden Augen der vergangenen Tage geblieben?  Der Tierarzt versuchte alles, doch es trat keine Besserung mehr ein und Vegas musste erlöst werden.

Den 80jährigen Mann, keineswegs ein klappriger Opa, sondern ein sehr, sehr rüstiger Mann, der seinen Hund bewusst hat sterben lassen wollen, haben wir angezeigt. Ob etwas dabei herauskommt wird sich zeigen. In einem Zeitungsartikel durfte der Name des Mannes nicht einmal abgekürzt genannt werden, wegen der Persönlichkeitsrechte! Aber wo bleiben die Rechte der Tiere? Ach, ich hatte vergessen, Tiere sind ja nur Sachen!!!!

Hagen, im November 1999  (I. Platner)
25.10.01