Wie sinnvoll ist regelmäßiges entwurmen ?
Es wird von vielen Tierärzten empfohlen alle Hunde regelmäßig 2-6 mal im Jahr gegen Rund- und Plattwürmer zu entwurmen. Macht das wirklich Sinn? Nehmen Sie vorbeugend Kopfschmerztabletten, weil Sie vielleicht morgen Kopfschmerzen bekommen ? (Zu Recht werden Sie sagen, dass Kopfschmerztabletten nicht vorbeugend wirken. Wirken Wurmmittel auch nicht!)
Die gängigen Entwurmungsmittel wirken in der Regel gegen adulte Würmer im Hund. Nun durchlaufen manche Würmer aber Entwicklungsstadien wie z.B. der Spulwurm. Dessen Larven befinden sich nicht im Verdauungstrakt und werden somit vom Wurmmittel auch nicht abgetötet. Das heißt also, wenn ich den Hund entwurme und er hat tatsächlich Spulwürmer, sterben zwar die vorhandenen erwachsenen Würmer ab, aber es wandern die Larven sofort wieder nach und entwickeln sich zu Würmern. Weiter wirken die Wurmmittel nicht vorbeugend, sondern beseitigen einen gerade vorhandenen Befall. Somit kann sich ein Hund einen Tag nach erfolgter Entwurmung wieder mit Würmern infizieren, wenn er Eier aufnimmt.
Nicht alle Wurmmittel wirken gegen alle Würmer. Wenn man also auf Verdacht entwurmt, muss man eines der stärkeren Mittel nehmen, da man ja nicht weiß, gegen welche Würmer man ankämpft. Auch sollte man sich vor Augen halten, dass es sich bei Wurmmitteln um Medikamente handelt, die Nebenwirkungen haben können. Hier mal einige Nebenwirkungen, die auftreten können und so auch beschrieben sind:
Gelegentliches Erbrechen, Störung der Koordination von Muskelbewegungen, beschleunigte Atmung, vermehrter Speichelfluss, Appetitlosigkeit, Lethargie, Depression. Zudem stehen einige Wirkstoffe in Wurmmitteln unter dem Verdacht, Hunde mit MDR1-Defekt (-/-) und möglicherweise auch Träger des Defektes (+/-) schädigen zu können.
Mit jeder Entwurmung werden nicht nur die vielleicht vorhandenen Würmer getötet sondern auch die Darmflora geschädigt. Zudem tritt eine zunehmende Resistenz der Würmer gegen die gängigen Wurmmittel auf. In diesen Mitteln befinden sich neben den medizinischen Wirkstoffen auch diverse Konservierungsmittel und Farbstoffe.
Es geht auch anders
Statt den Hund regelmäßig auf Verdacht zu entwurmen, kann man auch Kotproben über drei Tage sammeln und zum Tierarzt bringen, damit er sie auf Würmer untersucht. Dieses ist in der Regel nicht teurer als das Wurmmedikament selber, aber viel schonender für ihren Hund.
Man kann Kotuntersuchungen auch selber machen. Man sammelt den Kot von drei Tagen und vermengt von jeder Probe etwas. Dieses gibt man in ein Glas/ Reagenzglas und füllt es mit gesättigtem Salzwasser (so viel Salz in warmes Wasser geben, bis es sich nicht mehr auflöst) bis Oberkante Rand auf, umrühren und legt den Objektträger darauf. Einige Stunden stehen lassen. Die Eier steigen nach oben und bleiben am Objektträger hängen. Diesen vorsichtig abnehmen und unterm Mikroskop betrachten. Am Ende des Textes ist ein Link aufgeführt, auf dem der Vorgang sehr gut beschrieben ist.
Man sollte trotzdem regelmäßig und bei Verdacht auf Befall Kotproben vom Tierarzt im Labor untersuchen lassen, da nicht alle Wurmeierarten auf diese Weise unterm Mikroskop sichtbar werden.
Erwachsene Hunde haben schon immer Würmer gehabt und werden, solange sie eine gesunde Darmflora besitzen, gut damit fertig. In einem gesunden Darm nisten sich Würmer nur schwer ein. Allgemein wird angenommen, dass geraspelte (rohe oder leicht gedünstete) Karotten und Kokosraspeln, regelmäßig ins Futter gestreut, einem Wurmbefall vorbeugen sollen.
Selbst wenn der erwachsene Hund Würmer hat, kann man, solange der Befall nicht sehr schlimm ist, diese auf natürliche Weise wieder los werden und muss nicht gleich zur Chemiekeule greifen. Es gibt die Möglichkeit, den Hund homöopathisch zu behandeln, dieses sollte ein/e erfahrene/r Homöopath/in vornehmen, Spulwürmer lassen sich mit Propolis vertreiben, Bandwürmer mit Hilfe von Kürbiskernen und Rizinusöl. Es gibt diverse weitere Möglich-keiten, Würmer ohne Chemie wieder los zu werden. Welche Behandlung bei Ihrem Tier angebracht ist, kann Ihnen ein Tierheilpraktiker oder Homöopath erläutern. Diese Arten der Entwurmung führen nicht sofort zum Erfolg und müssen teilweise über 1-2 Wochen täglich wiederholt werden. Auch werden die Würmer nicht abgetötet, sondern lebend ausgeschieden, weshalb man die Hundehaufen gut entsorgen muss. Das klingt im ersten Moment ekelig, hat aber den Vorteil, dass die Entgiftungsorgane ihres Hundes nicht mit den Toxinen, die die verendenden Würmer ausscheiden, und den im Darm verwesenden Würmern kämpfen müssen und somit entlastet werden. Genauso müssen die chemischen Wirkstoffe der Wurmmittel nicht abgebaut werden, was zudem auch die Umwelt entlastet, da diese ja zum Teil über den Urin dorthin gelangen. Bei Welpen sind Würmer hingegen sehr gefährlich und müssen, nachdem sie erkannt sind, schnellstmöglich beseitigt werden.
Auch das vorsorgliche, regelmäßige Entwurmen anderer Tiere kann für unsere Hunde schwere Folgen haben. Hunde mit dem MDR1-Defekt (-/-) und u. U. Träger des Defektes (+/-) muss man davon abhalten, die Hinterlassenschaften von Pferden und anderen Huftieren aufzunehmen.
Pferde (auch Schafe, Kühe und Schweine) werden in der Regel viermal im Jahr entwurmt, und zwar mit Wurmmitteln, deren Wirkstoff u. a. Ivermectin ist. Ein Teil des Wirkstoffes wird über den Kot der Tiere wieder ausgeschieden. Für alle Hunde mit MDR1-Defekt und u. U. Träger kann die Aufnahme von Ivermectin durch den Kot von Großtieren böse Folgen haben, von Muskelkrämpfen, Erbrechen über Koma bis hin zum Tod des Hundes, je nach Gewicht des Hundes und Menge des Wirkstoffes, der aufgenommen wurde.
Auf dieser Internetseite finden Sie eine ausführliche Beschreibung für eine Kotuntersuchung:
http://www.working-goats.de:80/index.php?option=com_content&task=view&id=67&Itemid=63
Gabi Henrich