Zum Alltag im Tierschutz gehören - leider! -  immer wieder Erlebnisse, bei denen wir die Zähne kräftig zusammen beißen müssen, um den „Menschen“ nicht an die Gurgel zu gehen.  Aber manchmal überschreitet ein Fall die Schwelle des Erträglichen. So wie die Geschichte von Divinia, der Schäferhündin, die um Haaresbreite ihr Leben durch die Ignoranz ihrer Besitzer und die Unfähigkeit eines Tierarztes verloren hätte. Da hilft es ein bisschen, sich den Frust von der Seele zu schreiben.
Am Morgen des 9. August war mein Mann mit Pitty, dem Collie, der sich so unauslöschlich tief in mein Herz gegraben hat, aufgebrochen in ein neues Leben. Am späten Vormittag saß ich am Schreibtisch, vor mir ein Berg durchtränkter Tempotücher, als mich ein Anruf von Bärbel aus meiner trüben Stimmung riss. Eine Schäferhündin müsse dringend untergebracht werden, die Besitzerin sei in großer finanzieller Not, und die Hündin sei tragend und werde in den nächsten zwei Tagen ihre Jungen bekommen. <Oh nein, bitte nicht schon wieder Welpen!!>
Aber gut, ich versprach, mich um eine Lösung zu kümmern, die Hündin sollte bis dahin hier untergebracht werden.
Bärbel ließ die Hündin sofort auf ihre privaten Kosten in X bei dem dortigen Tierarzt Y untersuchen um mit Ultraschall festzustellen, wie weit die Trächtigkeit schon war. Das Ergebnis klang sehr beruhigend: Etwa 6. bis 7. Woche, also noch genügend Zeit.
Eine Mitarbeiterin der Tierhilfe Papenburg brachte die Hündin direkt von der Tierarztpraxis zu mir. Sie meinte, dass die Hündin wohl etwas aggressiv sei, der Tierarzt hätte ihr für die Untersuchung einen Maulkorb anziehen müssen, so hätte sie um sich gebissen.
Mich schockierte die Verfassung dieses Tieres zutiefst - klapperdürr, verängstigt und scheu. Damit sie sich erst einmal etwas entspannen konnte, brachte ich sie in einen ruhigen Raum und ging dann in die Küche, um ihr etwas Futter zuzubereiten. Das dauerte ca. eine halbe Stunde, da mich zwischendurch Telefonate aufhielten. Als ich wieder zu der Hündin kam, packte mich das blanke Entsetzen. Überall in ihrem Zimmer und im Flur waren Blut- und Schleimflecken. Bevor ich den Futternapf noch in den Ständer schieben konnte, machte sie sich mit einem unbeschreiblichen Heißhunger darüber her.
Sofort rief ich in der Tierklinik an, und die Tierhilfe schickte einen Fahrer, der die Hündin in die Klinik brachte. Dort wurde sie gründlichst untersucht und anschließend an den Tropf gelegt. Der ganze Bauch war bretthart, bei jeder Berührung schrie die Hündin vor Schmerzen. Man sollte es nicht glauben - eine Hündin, die vor knapp zwei Stunden bei dem Tierarzt Y noch mindestens zwei Wochen vor dem Wurftermin sein sollte, befand sich mitten in der Geburt, hatte aber wegen ihrer körperlichen Schwäche keine Kraft, ihre Kinder zur Welt zu bringen. Kostbare Zeit war verschenkt worden, der Welpe, der von unserer Tierärztin ertastet werden konnte, war längst erstickt. Es blieb keine andere Wahl, ein Kaiserschnitt musste gemacht werden, um die Mutter und hoffentlich einige Welpen zu retten.
Wie durch ein Wunder - aber eher durch den Einsatz der Tierärztin - überlebten die Mutter und acht Welpen. Da die Hündin, die wir nach dem glücklichen Ausgang Divinia  tauften, immer noch ziemlich schwach ist und nicht in der Lage, ihre Kinder allein zu versorgen, bleibt die kleine Familie noch ein paar Tage in der Klinik und wird dort gepäppelt. Zwei der Welpen sind etwas kleiner und schwächer, aber sie scheinen entschlossen zu sein, sich ins Leben zu strampeln. Wir werden ihnen dabei helfen!
(Margit Koopmann)
DIVINIA
Eine üble Geschichte aus Ostfriesland mit glücklichem Ausgang