EIN TAG, NICHT UNBEDINGT WIE JEDER ANDERE, ABER SO ÄHNLICH

MONTAG, 12. JULI

5.50 Uhr: Tonni ist der Ansicht, daß die Nacht lang genug war und tut dies lautstark kund. Der Küchencollie Falco muß seinen Senf dazugeben. In der Hoffnung, für eine Weile Ruhe zu schaffen, lasse ich Tonni in den Freilauf und krieche wieder ins Bett. An Schlaf ist trotzdem nicht mehr zu denken, einige schwere Entscheidungen liegen mir wie  Felsbrocken auf dem Magen.

6.15 Uhr: Dunja muß schon wieder auf die Wiese, das vierte Mal in der vergangenen Nacht. Für das Mädchen ist der Streß, vor allem mit den vielen schwierigen Rüden, immer öfter Auslöser für Verdauungsprobleme.

7.00 Uhr: „Offizieller" Tagesbeginn. Mein Mann bringt die verschiedenen Gruppen, die sich vertragen, in den Freilauf, während ich das Frühstück für Zwei- und Vierbeiner vorbereite.

8.40 Uhr: Erster Anruf. Die Hunde, die mein Mann vor ein paar Tagen in unserem Auto zum Tierschutzhof transportiert hat, sind an Parvovirose erkrankt. Entsetzen bei uns, zwei Collies, die erst vergangene Woche zu uns gekommen sind, haben keinen Impfschutz. Wir melden uns sofort in der Tierklinik an. Auto und Transportboxen müssen mit einer entsetzlich riechenden Lösung ausgewischt werden, fürs Haus gibt es ein weniger aggressives Mittel, das auch nicht gerade duftet, aber erträglich ist.

12.20 Uhr: Wieder zu Hause. Drei Aufsprachen auf dem Anrufbeantworter. Zwei Anrufe beziehen sich auf die WDR-Sendung vom Vortag, wo der Collie "Janosch" aus unserer ersten Vorstellung in seiner neuen Familie gezeigt wurde.
Nr. 1: Man hat eine so mütterliche Schäferhündin, die schon zweimal scheinträchtig war, da soll jetzt ein Collie rangelassen werden. Nach meinem Rat, die Hündin besser kastrieren zu lassen, bedankt man sich artig und beendet das Gespräch.
Nr. 2: Eine Dame, die die "Zustände" in den Tierheimen so furchtbar findet, möchte uns ein paar Collies abneh-men, am liebsten Hündinnen! Ich bitte um Informationen über das Umfeld, und welche Pläne man mit den Hündinnen verfolge, klick, ist die Verbindung unterbrochen.

13.15 Uhr: Mittagessen im Schnellgang. Auf dem Schreibtisch warten Berge von Briefen auf Erledigung. Schreibarbeit ist mir langsam ein Horror, die Zeit dafür fehlt dann bei der Beschäftigung mit den Hunden.

13.55 Uhr: Anruf einer Colliebesitzerin. Ihr Rüde ist sechs Jahre alt und fängt an, das zweijährige Kind zu beißen. Es stellt sich heraus, daß das Kind den Collie über alles "liebt" und den ganzen Tag hinter ihm her flitzt. Ein halbstündiges Gespräch reduziert sich am Ende doch nur auf die Forderung: Der Hund muß weg!

14.30 Uhr: Ein Gewitter zieht auf, wir lassen die Hunde schnell nach draußen, bevor es losgeht. Die letzte Gruppe hat gerade noch zehn Minuten Zeit, dann öffnet der Himmel die Schleusen. Mehrere Rüden haben panische Angst. Falco zerkratzt die Küchentür, als ich ihn allein lassen muß, Dogan zerfetzt ein weiteres Stück Teppich-boden im Arbeitszimmer. Zum Glück erschüttert ein Gewitter unsere eigenen Hunde genau so wenig wie Haydns Sinfonie mit dem Paukenschlag, so können wir uns beide den Schlottercollies widmen. Mein Mann kann Pit auf seiner verzweifelten Suche nach einem Versteck mit Mühe davon abhalten, den Computertisch leerzufegen.

15.25 Uhr. Anruf einer Dame, die einen Collie aus einem Tierheim geholt hatte. Nach drei Tagen "mußte" sie ihn zurückbringen, weil er sie anknurrte und schnappte. Sie möchte wissen, ob wir einen lieberen Collie für sie hätten - haben wir nicht!!

17.00 Uhr: Die Sonne blitzt schon etwas durch die letzten Wolken. Mein Mann holt Dogan von oben. Dummerweise habe ich es verpaßt, den Fensterladen in der Küche rechtzeitig zu schließen. Ehe ich reagieren kann, ist Falco wutentbrannt über Eckbank und Tisch gerast, um besser durch die Scheiben seine Feinde anbrüllen zu können. Zwei Tassen und ein Teller sind zu Bruch gegangen, Tee und Zucker bilden auf den Fliesen eine klebrige Masse, die von den Hundepfoten durch die halbe Wohnung vertreten wird. Es ist nicht das erste Erlebnis dieser Art. Seit Tasco, Dino und Falco bei uns eingezogen sind, reduziert sich unser Hausrat konti-nuierlich auf den Mindestbedarf.

17.30 Uhr: Wir holen Amero vom Tierschutzhof in Surwold ab. Er wird morgen kastriert und soll an-schließend bei uns bleiben. Bei der Rückkehr zeigt der Anrufbeantworter wieder drei Aufsprachen, einer von einem Tierheim. Dort ist ein Collie abgegeben worden, den wir im letzten Jahr vermittelt hatten. Eine Fehlentscheidung also. Sofort fahren wir noch einmal los, holen Arko ab und bringen ihn nach Surwold, wo Amero gerade den Platz freigemacht hat.

20.50 Uhr: Wieder zurück. Die Hunde bekommen ihr verspätetes Abendessen, anschließend nimmt mein Mann sein Brötchen mit nach draußen, während er die Tiere beaufsichtigt. Mir ist mal  wieder der Appetit vergangen. Um kurz vor Mitternacht liege ich im Bett, fertig, mit allem, der Arbeit, den Nerven. Und trotz allem, eigent-lich war der Tag gar nicht so schlimm. Bei der Post waren auch Briefe mit Fotos und Schreiben von glücklichen CiN-Hundebesitzern. Das ist es, was letzten Endes zählt, und für hoffentlich noch viele solcher Briefe werden wir morgen weitermachen, was auch immer passiert.

Margit Koopmann