Einst lebte ein Bauer irgendwo auf dem Lande. Er fristete ein einfaches aber erfülltes Dasein.
In einer Scheune, die an sein einfaches Haus angrenzte waren zwischen Spinnweben und Gerümpel auch einige Antiquitäten, welche in der Bauersfamilie von Generation zu Generation weitergegeben worden waren.
Wann immer der Bauer in finanzielle Nöte kam, ging er in die dunkle, verstaubte Scheune und kramte aus irgend einer Ecke eine Antiquität hervor um diese zu veräußern, auf dass der Erlös ihn einige Wochen oder Monate speisen sollte.
Ein klirrend kalter und stürmischer Winter zwang ihn abermals zu einem solchen Verkauf, denn er hatte kaum mehr Vorräte und warme Kleidung. So ging er schweren Schrittes in die Scheune und suchte so lange, bis er eine alte, verstaubte Schatulle in der Hand hielt. Für den alten Bauer war dieses Zeug nur wertloses Gerümpel, aber er wusste, dass die Leute aus der Stadt genau solche Dinge suchten und auch gut dafür bezahlten.
Bald schon kamen interessierte Käufer - zwei junge Frauen, die schon immer einmal eine solch "wertvolle Antiquität" besitzen wollten - bald wurden sich der Bauer und die Frauen einig und er überließ ihnen die verstaubte Schatulle für einen stolzen Preis. Der Bauer war glücklich, denn seine Existenz war wieder einmal gesichert.
Doch nach nur einer Woche standen die zwei Frauen wieder an der Tür des alten Bauern und beklagten sich sehr über den Kauf der Schatulle. Alt und verstaubt sei sie, sie ließe sich mit nichts öffnen und sei daher wertlos. Der Bauer war erzürnt, dass seine Antiquität nicht gewertschätzt wurde und verwies die unzufriedenen Frauen erbost seines Grundstückes.
Die Frauen waren so enttäuscht und erzürnt, dass sie die dreckige Schatulle dem nächstbesten Mann gaben und meinten, vielleicht würde er damit glücklich werden.
Der Mann war ein echter Spezialist und hatte die besten und modernsten Werkzeuge zum Öffnen von Schatullen. Doch mit seinen Werkzeugen beschädigte er das empfindliche Stück nur, konnte es aber nicht öffnen. So verlor auch er die Beherrschung und beschloss den nutzlosen Kasten wieder her zu geben.
Doch auch der nächste Besitzer, der einen Schatz in der Schatulle vermutet hatte, war rasch am Ende seiner Geduld angelangt, weil sich die Schatulle einfach nicht öffnen ließ und zudem nur unnütz in einem Regal stand - so wechselte die Schatulle erneut den Besitzer.
Diesmal geriet sie in die Obhut eines sonderlichen Ehepaares, die anders lebten als andere Menschen und öfter wohl auch etwas eigenartige Ansichten hatten. Doch sie hatten im Laufe ihres Lebens unter anderem gelernt sich in Geduld zu üben und den Dingen ihren Lauf zu lassen. Sie stellten die Schatulle einfach in eine Ecke, sahen sie wertschätzend an und vergingen sich nicht an ihrem fest verschlossenen Deckel sondern warteten einfach nur ab.
Und siehe da... nach einigen Wochen sprang die Schatulle einfach auf und heraus sprang ein Collie.
(Uwe Sterzel)